Singen und Musizieren wird es auch künftig geben

Einschätzungen und Ansichten zur Chorarbeit nach der Pandemie

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In einem Gedicht meinte einst der deutsche Dichter und Sprachgelehrte Friedrich Rückert (1788-1866): „Daß Menschen trauern, klagen, statt zu singen!“ Eindrucksvoll wurde der Text von dem Komponisten und Hochschullehrer an der Musikhochschule Hannover, Professor Alfred Koerppen (*1926), für vier Männerstimmen vertont. Was Rückert seinerzeit nicht ahnen konnte: Spätestens seit dem Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres wurde Dirigenten, Chorleiter, Instrumentalisten und Vokalisten bewusst: Da kommt Unvergleichbares auf uns zu. Eine Krise ungeahnten Ausmaßes. Und das fordert neben der Bereitschaft zu Einschränkungen und Opfern in der persönlichen Lebensgestaltung vor allem auch eine besondere Aufmerksamkeit für das, was sich bei den Menschen ereignet.

Wie wird die Zeit nach der weltweiten Epidemie sein? Wird das kulturelle Leben wieder aufblühen? Werden Chöre, Instrumental- und Vokalensembles in der gewohnten Weise musikalisch und künstlerisch arbeiten können? Werden sich einzelne Mitglieder von den Chören verabschieden? Kommen andere hinzu? Wird es eine besondere Neugier, Freude und Bereitschaft am Singen und Musizieren geben? Fragen über Fragen. Einschätzungen, Meinungen und Ansichten darüber gehen auseinander.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreis-Chorverbandes Unterlahn, Karl Glaßner aus Klingelbach, kann sich nicht vorstellen, dass die Zeit der Pandemie bei den Amateurchören landauf landab ohne Folgen bleibt. „Einzelne, vor allem ältere Chormitglieder“, so Glaßer, „könnten sich verabschieden. Kleinere Chöre würden dann auseinanderfallen. Das wäre schade, aber kaum zu verhindern“. Dennoch gibt es bei den Verantwortlichen im Kreis-Chorverband Unterlahn und deren Vorsitzender Karin Amstutz zuversichtliche Perspektiven: neue Ensembles – jung wie alt – werden sich zusammenfinden.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des MGV „Liederwald“ Langenscheid, Stefan Bohlmann, kann eine erfolgreiche und kompetente Chorarbeit nach der weltweiten Pandemie nur gelingen, wenn die Mitglieder der Chorgemeinschaften an einer Impfung, die wirksam schützt, teilgenommen haben. Auch er ist der Meinung, dass einzelne Vokalisten – teilweise auch aus Gründen einer gewissen Bequemlichkeit – nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen werden. „Allerdings“, so Bohlmann, „habe die tätige Mitarbeit in einem Verein eine vielfältige Bereicherung der Persönlichkeit des Menschen zur Folge, von der er glaube, dass diese Tätigkeit für den Menschen unserer Zeit heilsam wäre“.

„In der Chormusik“, so Chorleiter Frank Sittel, Pressereferent des Kreis-Chorverbandes Unterlahn, „findet man die Formel für Gesetz und Harmonie der Gemeinschaft, indem das Wesen des harmonischen Zusammenklangs erlebt wird, der nur Zusandekommen kann, wenn alle Stimmen sich dem musikalisch-künstlerischen Gesetz unterordnen. Im mehrstimmigen Singen – der Einheit in der Vielfalt – wird die wunderbare Odnung aller lebensfähigen Gemeinschaft erfahren, das Geheimnis der Gesetzmäßigkeit, die zugleich Freiheit und Beglückung ist, wenn man sich ihr freiwillig unterwirft. Singen und Musizieren gehöre zum Menschsein. Das wird es auch künftig geben.“

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