So vielfältig wie ihr Programm und so bunt wie der Patchworkstoff ihrer Kostüme – die Sängerinnen von Patched Voices aus Mainz verbindet die Freude an der Musik. Foto: Charlotte Kuschnereit

FrauenStimmen! Benefizkonzert zum zwanzigjährigen Bestehen

Die Patched Voices feierten ihr Jubiläum mit einem Benefizkonzert zum Weltfrauentag. Sie setzten ein Zeichen für Frauen, Kunst, Gemeinschaft.

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Seit 20 Jahren prägen die Patched Voices die Chorszene in Mainz. Ihr Jubiläum feierte der Frauenchor mit einem Benefizkonzert am Weltfrauentag im Meet Up Mainz-Weisenau. Die Veranstaltung verband Chormusik, Literatur und bildende Kunst und setzte zugleich ein Zeichen für Frauen, Solidarität und gesellschaftliches Engagement.

Unter dem Titel ‚FrauenStimmen!‘ widmete sich der Abend am Weltfrauentag weiblichen Perspektiven in Kunst und Kultur. Das Publikum erlebte eine abwechslungsreiche Verbindung aus Musik, Poesie und bildender Kunst.

Die Künstlerinnen Uta Herrmann, Alexandra Kapogianni-Beth und Beate Schumann präsentierten Gemälde und Skulpturen. Der Erlös des Abends kam überwiegend dem Förderverein Frauenhaus Mainz und dem Frauennotruf Mainz zugute, die ihre Arbeit auch vor Ort vorstellten. Ergänzt wurde das Programm durch die Büchergilde mit einer Auswahl literarischer Werke von Autorinnen.

Durch das Bühnenprogramm führte Moderatorin Caro Zombik. Die Poetry-Slammerin und Vize-Slam-Meisterin Caro Leukroth eröffnete den Abend mit eigens verfassten Texten über Mutterschaft und frauenrechtliche Meilensteine. In ihrem Text ‚Getragen‘ würdigte sie Mütter und die vielen Aufgaben, die sie im Alltag übernehmen. Dabei rückte sie eine Leistung in den Mittelpunkt, die häufig wenig öffentliche Anerkennung erfährt.

Auch mit ’64 Felder – ein Unentschieden im Krieg‘ prägte sie den Abend. Während die Chormitglieder regungslos als Schachfiguren auf der Bühne standen, zeichnete Leukroth das Bild patriarchaler Machtstrukturen. Ihre Botschaft blieb dennoch hoffnungsvoll. Leukroths Aufruf, das Privileg der weiblichen Stimmen zu nutzen und sie zu einer einzigen Kraft werden zu lassen, war die zentrale Botschaft des Abends, auch verkörpert durch die Patched Voices.

Unter der Leitung von Mona Dornbusch präsentierten die Patched Voices ein vielseitiges Programm, das weibliche Stärke und unterschiedliche Lebensentwürfe in den Mittelpunkt stellte. Begleitet wurde der Chor von Stefan Konrad am Piano, Martin Hähnke an der Klarinette sowie Jens Illmann an Bass und Schlagzeug.

Den Auftakt bildete Billy Joels ‚She’s Always A Woman‘. Das Lied erzählt von einer Frau, die sich gesellschaftlichen Erwartungen entzieht und ihren eigenen Weg geht. Damit war der thematische Rahmen des Chorkonzerts gesetzt.

Mit ‚Kein schöner Land‘ in einer Fassung von Oliver Gies, gesungen auf Deutsch und Swahili, verband der Chor die Themen Zusammenhalt, kulturelle Vielfalt und Verantwortung für die gemeinsame Welt.

Auch ruhigere Werke fanden ihren Platz. ‚Lyse Naetter‘ von Alberte Winding führte das Publikum in dänische Sommernächte. Mit Billie Eilishs ‚What Was I Made For‘ griff der Chor Fragen nach Identität, Selbstfindung und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben auf. Der Chor stellte überzeugend die intime und verletzliche Stimmung dieser Selbstfindung dar. Das Lied endet leise und doch voller Hoffnung, dass eine Befreiung aus Fremdbestimmung und Perfektionsdruck möglich ist.

Einen deutlichen Kontrast setzte Lordes ‚Royals‘. Mit rhythmischer Präzision und zurückhaltendem Groove interpretierten die Patched Voices den Song als Kritik an Oberflächlichkeit und Statusdenken. Für einen überraschenden Moment sorgte anschließend ‚Wannabe‘ der Spice Girls. Der bekannte Popsong erklang als Madrigal und verband humorvoll musikalische Tradition mit moderner Popkultur.

Nach der Pause widmete sich der Frauenchor der Freiheitskämpferin Harriet Tubman, , die im amerikanischen Sezessionskrieg hunderten von Sklaven zur Flucht verhalf. Es folgten Lieder über Liebe, Verlust und Selbstbestimmung. Während Tom Odells ‚Another Love‘ die Erschöpfung nach einer gescheiterten Beziehung beschreibt, erzählt ‚Gabriellas Sång‘ von einer Frau, die den Weg in ein selbstbestimmtes Leben findet. Den Patched Voices gelang es, diese Geschichten musikalisch nachvollziehbar zu gestalten.

Mit ‚This Is Me‘ aus dem Filmmusical ‚The Greatest Showman‘ setzte der Chor ein kraftvolles Zeichen für Selbstakzeptanz. ‚Queendom‘ rückte die Stärke weiblicher Gemeinschaft eines Königinnenreichs in den Mittelpunkt. Musikalisches Neuland betraten die Patched Voices mit ‚Sih’r Kalaq‘. Arabische Klänge und anspruchsvolle Klatschrhythmen erweiterten das Programm und fanden großen Zuspruch beim Publikum.

Den Abschluss bildete ‚Je Veux‘. Gemeinsam mit dem Publikum feierte der Chor einen gelungenen Konzertabend, der Musik, Kunst und gesellschaftliches Engagement miteinander verband. Allen Akteurinnen des Abends gelang es, dem Jubiläum des Frauenchors einen mehr als würdigen Rahmen zu verleihen. Sie setzten an diesem besonderen Tag zugleich ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung, Solidarität und gesellschaftliches Engagement, das hoffentlich noch lange nachhallen wird. Die gesammelten Spenden in Höhe von 4.000 Euro wurden zu gleichen Teilen an den Frauennotruf Mainz und die Frauenhäuser Mainz übergeben. Damit wirkte ‚FrauenStimmen!‘ weit über den Konzertabend hinaus.

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